
Nachdem wir gestern fleißig von 13 Uhr bis 15 Uhr geprobt haben, habe ich mich mit Melli, Denise, Michael und Benni zum Landgang verabredet. Michael war schon einmal in Cochin also waren schnell zwei Auto Rikshaws, welche man im hiesigen Volksmund putzigerweise Tuff Tuff nennt, im Hafen organisiert und die uns fünf dann in der Kolonne in die Stadt und zu den wohl interessantesten Shops dort fuhren. Immerhin gut, dass es motorisierte Rikshwas hier gibt. Ich hatte mir das ja frei nach Klischee so vorgestellt, dass die armen, kleinen, dünnen indischen Menschen hier höchst selbst fette Touris durch die Gegend strampeln müssen – beruhigend, dass dem nicht so ist. Das Stadtzentrum von Cochin (welches übrigens als Venedig von Indien bezeichnet wird, warum auch immer...) befindet sich ca. 15 km vom Hafen entfernt, und so stand uns eine aberlustige, halbstündige, ungefederte Fahrt voraus. Und nach den ersten dreimal in denen uns nur irrwitzig knapp die hintere Ecke eines typisch indischen, roten, überfüllten Busses in irgendeiner Kurve erwischt hätte, habe ich mir sogar (sehr zur Freude von Melli und Ben) die dazugehörigen todesfürchtigen Schreckensschreie abgewöhnt. So etwas wie Verkehrsregeln gibt es hier nämlich einfach überhaupt gar nicht. Gewöhnungsbedürftig. Aber auch spannend.

(Auto Rikshaw Meter, ist klar!)

Die Einfahrt in die Stadt kann ich in der Kürze der Zeit in denen ich diese Blogeinträge hier für gewöhnlich raus haue kaum wiedergeben. Das muss man gesehen, erlebt und vor allem gerochen haben! Denn auch wenn es wahrlich dekadent klingen mag, so einen Mund-, und Nasenschutz wie wir ihn von einem gewissen Herrn Jackson kennen, macht in Cochin definitiv Sinn. Auch wenn ich mir wahrscheinlich blöd damit vorgekommen wäre. Denn die Menschen in Cochin sind so herzlich und offen, dass man sich wohl schämen müsste dort den reichen, verwöhnten, naserümpfenden Europäer raushängen zu lassen. Von überall wird dir zu gewunken, jeder lächelt dir zu. Kurzum eine tolle, wahnsinnig menschliche Atmosphäre.

Unser erster Stopp sollte ein Laden mit so ziemlich allem was der kaufwütige Indientourist eben so braucht sein. Schnick Schnack wie Elefanten (die mit hängendem Rüssel sollen übrigens gute Gesundheit bringen und die mit stehendem Glück), allerlei Döschen, Tüchern, Kleidern, Schmuck, Teppichen und so weiter. Melli, Denise und mir hatten es natürlich die Tücher angetan. Während Benni und Michael sich in die Welt der indischen Teppiche im wahrsten Sinne des Wortes entführen ließen. Der Inder an sich hat nämlich eine komplett andere Verkaufsstrategie als die, die man von dem gemeinen Europäer so kennt. Er beziehungsweise fünf bis fünfzehn andere drum rum stehende Landsmänner plappern gleichzeitig drauf los und diktieren dir quasi was du den scheinbar unbedingt benötigst. Das habe ich mir allerdings nur genau zweimal gefallen lassen bis ich mich zu einem doch recht lauten “Stop it!“ gezwungen wurde, und in der daraus resultierenden, verblüfften Stille ruhig aber recht bestimmt in die verwirrten indischen Gesichter erklärte, dass ich für gewöhnlich auf die europäische Art shoppen würde, und die sei nun mal so, dass ich mir alles eigenhändig ansehen würde, und wenn mich dann etwas auf den ersten Blick flashen würde, würde ich halt zu ihm kommen und dann, und erst dann, könne er mir gerne ein paar Worte dazu sagen. Schließlich wäre das für ihn ja dann auch weniger Arbeit, und er könne weiter Ingwer Tee trinken, oder so. Das sah man zu meinem erstaunen nicht nur ein, sondern fand mich und meine Ausführungen offenbar auch noch sehr amüsant. Na also! Eis gebrochen. Wunderbar. Die Herren ließen sich also dann weiter in Sachen Teppich zu texten, während wir Damen uns in aller Ruhe die Tücher ansahen. Und welch Wunder, uns flashte das ein oder andere, und so ging es ans handeln. Nicht, dass ich das schon mal je zuvor gemacht hätte, aber schließlich gewinne ich ja auch grundsätzlich Gesellschaftsspiele, die ich noch nie zuvor gespielt habe. Wir waren also bereit ihm fünf seiner Tücher abzukaufen. Schöne Tücher, gute Qualität. Er wollte 170 Euro dafür. Hallo? A) Bin ich Künstlerin und b) nicht doof. Und so handelte ich mir also auf englisch einen Wolf, während ich die süße Denise auf deutsch zu recht wies, das nicken sein zu lassen, wenn er auch nur ein klitzekleines bisschen bereit war von der neu erhandelten Summe runter zu gehen. Am Ende hatte ich ihn zu den irre komischen erstaunten Blicken von Denise auf 14 Euro pro Tuch runtergehandelt (ein durchaus angemessener Preis wie ich finde), und ab da nannte man mich erstaunlicherweise plötzlich “Madame“ und kommunizierte fortan ausschließlich nur noch mit mir. Very amüsant!

(Auch wenn er hier noch brav in die Kamera lächelt, es wäre beinahe vorbei gewesen. Augen auf im indischen Verkehr. Träumereien können tödlich sein. Ich konnte ihn gerade noch am Kragen erwischen und in Richtung Rinnstein – und auf meine brandneuen Sale-Massimo Dutti-Schuhe! - zerren, bevor ihn fast ein heranrasender Wagen dahin gerafft hätte. Kleine Brüder sind manchmal anstrengend...)
Unser nächster Stop, unsere Tuff Tuffs warteten nämlich schön brav draußen, sollte so eine Art Fabrik sein, in der es Tee, Gewürze, und Parfum zu kaufen gab.

Wir wurden also über eine wackelige Holztreppe nach oben in die Ausstellungs-, und gleichzeitig Arbeitsräume geführt. Und hier gab es nun wahrlich etwas zu sehen. Indisches Arbeiterleben pur. Im Gegensatz zu dem Shop in dem wir vorher waren, der von außen zwar genauso so zusammen geschustert wirkte wie alle anderen kleinen Häuschen in Cochin, aber von innen mit schönem Parkettboden und Klimaanlage daher kam, war hier alles ganz wunderbar urig.




(Urig, und sehr heiß! Bei 39 Grad im Schatten und einer wahnsinnigen Luftfeuchtigkeit freut man sich wirklich über einen Ventilator – auch wenn der erst angeschmissen wurde als wir hereinkamen...)

(Mit Denise, die unbedingt noch das handeln lernen muss.)
Melli hatte den Auftrag für ihren Vater indische Gewürze zu besorgen, und kommt wie ich angenehmerweise bisher feststellen durfte, auch ganz gut alleine zu recht. Und so sah ich mich ein wenig auf eigene Faust in der Fabrik um, während ich die Anderen im Ausstellungsraum alleine ließ. Dabei traf ich auf Jamilla. Jamilla ist blind und lebt schon ihr ganzes Leben lang in der Fabrik, wie sie mir auf mein fragen hin erzählte. Im Grunde sollte man meinen dass diese beiden Faktoren einen Menschen schon etwas verbittern könnten. Doch nicht so bei Jamilla. Sie strahlt wahnsinnig viel Herzenswärme und unbeschwert gute Laune aus, und ihr könnt euch vielleicht vorstellen wie sehr wir uns beide freuten, als ich sie mehr im Scherz fragte, ob sie nun meine indische Freundin sein wolle, und sie dies während sie fest meine Hand drückte vollkommen ernst bejahte. Schön!

(Jamilla an ihrem Arbeitsplatz.)
Und so wäre ich doch gerne noch etwas länger bei Jamilla geblieben, aber unser nächster Stop rief, und so fuhren wir also weiter in so eine Art indisches Möbelgeschäft, welches im oberen Stock zudem noch ein Schmuckgeschäft beherbergte.

(Tolles Bett. Wenn auch zu klein für europäische Riesen wie mich.)

(Die Schmuckabteilung. Schade, dass die Jungs hier so unfreundlich gucken. Eigentlich haben wir viel zusammen gelacht.)
Leider sollte unser “zu Hause“ a.k.a die Voyager um 17 Uhr schon wieder ablegen und so mussten wir also kurz nach vier wieder im Hafen sein.

(Letzte Eindrücke.)

(Melli -> zahlen, ich -> posen.)
Tschüss Cochin!

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