Sonntag, 21. Dezember 2008

Die Kabinenproblematik.

Es gibt Kollegen mit denen kommt man aus, und dann gibt es Kollegen mit denen kommt man eben nicht aus. Das Schicksal will es so, dass man mich auf eine Doppelkabine mit einer Kollegin eingeplant hat bei der tragischerweise zweiteres der Fall ist. Der Rest meiner Kollegen, von einem Pärchen das selbstverständlich zusammen wohnt mal abgesehen, lebt allein in einer Doppelkabine. Warum? Weiß ich nicht. Ist aber so. Auf der letzten Reise (diese “Weltreise“ ist in ganz viele kleine Reisen unterteilt – denn wer hat schon die Zeit und das nötige Kleingeld um fünf Monate an Bord zu bleiben?!) habe ich es genau drei Tage mit jener Kollegin in einer Kabine ausgehalten bis mir gerade noch kurz vorm Amok laufen auffiel, dass sich auf Deck vier noch unsere Kostümkabine befand. An sich eine ganz normale Marco Polo- Deck-Kabine allerdings mit neun Kostümkoffern und drei vollen Schränken darin. Das sollte aber mein Problem nicht sein. Ich heuerte nebenberuflich als Garderobiere an, schob vier der Koffer unter die zwei Betten, zwei unter das Sofa, und einen in den Schrank, und: la voilà, fünfzehn Minuten schweißtreibender Rumschieberei und vierzig Minuten Packer-, und Umzieherei später war sie dann da: Meine Einzelkabine auf Deck 4! Der einzige Unterschied zu einer ganz normalen Kabine bestand allein darin, dass ich a) nur einen der vier kleinen Schränke für meine private Garderobe zu Verfügung hatte und b) das Zimmermädchen nicht täglich zum sauber machen vorbei kam, sondern eben nur, wenn ich beziehungsweise die Kabine es benötigten – was ich im übrigen in der Doppelkabine ohnehin genauso gehandhabt hätte, wenn meine Kollegin nicht dauerhaft darauf bestehen würde wie Queen Elizabeth persönlich hofiert zu werden; aber lassen wir das. Nun denn, diese Reise wiederum ist nun leider komplett ausgebucht. Keine freie Kabine weit und breit. Selbst zwei Mitglieder der Reiseleitung sind in Crewkabinen untergebracht, und so teilte man mir also mit, dass ich wohl die nächsten zehn Tage (die Weihnachtsreise geht “nur“ zehn Tage) wieder zu meiner Kollegin ziehen müsse. Ein Ding der absoluten Unmöglichkeit! Ich wollte sie doch zu Beginn der ersten Reise schon komplett entgegen meiner ansonsten allgemein bekannt friedfertigen Art bereits am dritten Tag mit durchaus ernsten Absichten in einem möglichst unbeobachteten Moment über Bord schubsen. Man male sich also aus was alles in diesen zehn Tagen hätte passieren können oder in welcher psychischen Verfassung ich während und vor allem nach diesen zehn Tagen gewesen wäre. Also: Faust zu Tisch! So nich’!

Nun wohne ich mit samt den Kostümen für zehn Tage trotz meines Passagierstatus in einer Crewkabine. Frei nach: Was interessiert mich der Standard, es geht um meine Nerven... und mein polizeiliches Führungszeugnis! Und so zog ich also vorgestern bis in die späte Nacht mit samt den neun Kostümkoffern mal wieder um. Hievte die neun vollen Koffer auf das oberen Teil des Stockbetts, staubsaugte den eingetretenen Dreck vom Teppich, putze Bad und Schränke mittels ausgeliehenem Putzzeugs des Housekeepings, stopfte Tücher in die recht fragwürdigen Löcher in der Wand, hängte Bilder vor die anderen Löcher und meine Klamotten in Spind und Kommode und richtete den zunächst kargen, fensterlosen Raum erstmal ein. Was ich zu dem Zeitpunkt in meinem Einrichtungswahn noch nicht wirklich realisierte, die Klimaanlage ist kaputt, der TV funktioniert nicht, einen Kühlschrank gibt es hier erst gar nicht, und wirklich schlimm: Das Telefon geht nicht! Ich kann weder von Kabine zu Kabine telefonieren, was ich eigentlich nicht weiter dramatisch finde, noch nach draußen, sprich in Deutschland anrufen oder von dort angerufen werden, was ich wiederum sehr dramatisch finde. In diesem Sinne, dann schon mal fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch! Am 1.1.09 sind wir in Dubai, diese Reise ist vorbei, die Passagiere verlassen den Kahn; und ich darf dann wieder in eine Passagierkabine, sagte man mir zumindest.

Oh und, der Kapitän saß vorhin zufällig drei Tische weiter von mir und hat mir dann wie es das Klischee eben vorgibt, durch Svetlana (Servicekraft) ausrichten lassen, dass er mir gerne einen Drink spendieren würde. So bestellte ich also eine Coke light. Als die dann mittels Svetlana kam, ging ich an seinen Tisch, bedankte mich brav, stieß mit ihm an und ging dann wieder an meinen Tisch zurück. Hätte ich mich mal zu ihm gesetzt, hm? Vielleicht hat er ja noch ein freies Plätzchen für mich, in seiner Suite?? ;-)

Hier mal ein paar Bilder meines neuen aufgemotzten Lebensraums:





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