Dienstag, 20. Januar 2009

Das Nachspiel.

Manchmal habe ich ja das Gefühl das ganz viele (nicht alle) Menschen, die auf diesem Schiff arbeiten einfach nur aus einem Grund hier sind. Nämlich: Sie haben es einfach an Land zu nichts gebracht. Zumindest würde mir dies jedenfalls die brisante Mischung aus extremem Geltungsbedürfnis in Verbindung mit unzureichender Kompetenz einiger Leute hier erklären. Dass solche Typen keinen Spaß verstehen, und erst recht Anderen auch keinen gönnen ist beinahe logisch.

Als unsere rebellische Union (Walter, Silvia, Herta, Benni, Alexander und meiner eine) also gestern von unserem kleinen Boot auf den großen Dampfer stiegen empfanden das, wie man sich in Bezug auf meine Einleitung dieses Blogeintrags vielleicht schon zusammen dichten kann, noch längst nicht alle hier als lustigen Paradestreich - und das bekamen wir auch nicht nur schnell, sondern sehr schnell zu spüren. Wir trennten uns in der Lobby um uns mal eben auf unseren Kabinen frisch zu machen und wollten dann alle gemeinsam zum Mittagessen. Gesagt, getan, so saßen wir also im Pacific Restaurant, vergnügt und hungrig, an einem 7er Tisch. Da wir zu sechst sind war natürlich noch ein Platz frei. Und wer ist so tolldreist danach zu fragen, ob er mit uns essen dürfe. Richtig, genau der Spaten der mich am Tenderbootsteg des Morgens so komplett tolldreist angemacht hat. Manchmal sollte man einfach unhöflich sein, waren wir aber nicht. Na Mahlzeit! Es dauerte keine zwei Minuten nachdem er seine Bestellung aufgegeben hatte bis er auch schon wieder anfing schlechte Stimmung zu verbreiten. “Das darf nicht mehr passieren. Erst die Passagiere! Blablabla...“ Da Walter plus Gattin und Sohn den Reeder dieses Schiffes gut kennen, Herta ohnehin voll zahlender Passagier ist, und Benni sowieso schon auf dem Weg in seine Kabine eine Rüge von der Kreuzfahrtdirektorin wegen unseres “Faux Pas“ verpasst bekommen hatte, ging seine Hasstirade also schon wieder mal in der vollen Ladung gegen mich. Wer mich kennt, weiß dass es generell schwierig ist mich wirklich erfolgreich verbal anzugreifen, wenn ich der totalen Überzeugung bin im Recht zu sein, ich reagiere in 99 % solcher Fälle entweder mit gespielt beiläufigem Interesse oder humoristischer Schlagfertigkeit. Also sagte ich ihm also so ruhig und gelassen wie mir nur irgend möglich, dass wir ja schon aus unserem Fehler gelernt hätten, und mit unserem eigenen Boot zurückgekommen wären. „IHR HABT WAS??“ Bis dato war ich davon ausgegangen, dass das ganze Schiff bereits davon Wind bekommen hätte. Für gewöhnlich funktioniert das Stille Post – Prinzip hier nämlich schneller als die Bildzeitung gedruckt ist. „Wir sind mit unserem eigenen Boot gekommen. Hör’ mir doch zu.“ “DAS IST VERBOTEN!“ Witzig, einer meiner Lieblingssätze. Ich also: „Nein, ist es nicht.“ Er: “Doch!“ Ich wieder: “Nein.“ “Und wer hat euch das erlaubt?“ Gute Frage, dachte ich mir. Ich hätte den Teufel getan und Wayle verraten.
„Der Captain.“, tönte es plötzlich von Herta, während sechs ungläubige Gesichter erst sie und fünf weitere uns untereinander fragend ansahen. “Ich habe ihm die Angelegenheit vorhin geschildert. Genehmigt.“ Clever, dachte ich. Guter Bluff. Doch Miss Delphin Voyager wäre nicht Miss Delphin Voyager, wenn sie nicht in der Viertelstunde bis zum Lunch noch geduscht, sich die Haare zu recht geföhnt, sich in ein adrettes Sommerkleidchen gewandet, und dann noch mal fix einen Besuch oben auf der Brücke untergebracht hätte, um ihre Beziehung zum Captain bei einem Gläschen Champagner für unseren Sache geltend zu machen. Wahnsinn! We love Herta!
Doch dieser Miesepeter gab trotzdem nicht auf. “Was habt ihr gezahlt?“ Arschloch! „10 Dollar pro Nase. Noch mal 10 für die Aktion vom Schiff.“ „Das ist viel zu viiiiiel!“ Ich wieder: “Geld spielt keine Rolle.“ Er: „Du hast es ja, nach Sri Lanka“. Megaarschloch! Und als wenn das nicht schon genug wäre. „Übrigens darfst du wohl in Singapur nicht raus.“ Ich: Soso? Na ja... Was soll’s? Gibt ja Google Earth...“ Zum Glück bestellte er kein Dessert. Was ein Typ. Und ob ich nun “raus darf“ oder zur Strafe für mein rebellisches Verhalten nun tatsächlich Schiffsarrest (man stelle sich das mal vor...) in Singapur bekommen werde, wird sich noch rausstellen... Was ein Terz...

Man sollte meinen solch ein Vollidiot hätte einem schon genügend einen solch schön begonnen Tag verdorben, aber nein, nachdem ich von nach dem Mittagessen bis zum frühen Abend probte (ja Boris, wir üben gerade das zweite Programm ein) und später zumindest zwei Gänge des Gala-Dinners mitnahm, gönnte ich mir kurz vorm umziehen und schminken für die bevorstehende Verabschiedungsshow noch einen Espresso. Ich setze mich also zu zwei mir eigentlich ganz symphatischen Crewmitgliedern, weil die beiden im Gegensatz zu unserem künstlerischen Leiter, der irgendwie nie irgendwas überhaupt irgendwie leitet, schon eventuell wissen konnten wie es denn nun zukünftig um meine Wohnverhältnisse bestellt ist. Schließlich ist diese Reise ja in zwei Tagen zu Ende, und ich würde ja nun schon mal gerne wissen, ob ich nun tatsächlich, wie besprochen, samt der Kostüme in meiner wundervollen 4009 bleiben darf, oder wo es sonst hingeht. Antwort: Crewkabine! Crewkabine? Resultat: Zwei von drei Tänzen während der Show habe ich, entgegen meiner sonstigen Professionalität synchrontechnisch gesehen total in den Sand gesetzt. Dabei weiß jeder dahergelaufene Depp, dass man einen Künstler aus konzentrationstechnischen Gründen kurz vorm Auftritt besser nicht mit negativen Nachrichten behellt. Idioten! Und meine Laune.... Fragt nicht!


Das Nachspiel dessen wiederum: Ein kompletter Anschiss unserer MDR-Ballettassistenz. Ich sei peinlich gewesen. Peinlich? Ich bin nicht peinlich. Ich bin mit den Nerven am Ende. Und: Ich habe keine Lust mehr der Kostüm-Otto zu sein, der alle paar Tage mit 8-9 vollen Koffern für ein paar Stunden schwitzend umziehen darf (während die anderen nette Landausflüge machen...) und ständig gestört wird, weil irgendwer irgendwas von unter meinen Betten braucht und ich dann wiederum Betten durch die Gegend hieven kann (während die lieben Kollegen hier allesamt schön ungestört weiter Urlaub machen...). Und ich ziehe nicht mit jener Kollegin zusammen! Und erst recht nicht wieder in eine gottverdammte Crewkabine! Am besten gleich wieder mit kaputter Klimaanlage, damit ich diesmal wenigstens wirklich an einer Lungenentzündung dahin vegetiere. Und ohne Telefon und Kühlschrank. Halloho? Ich hätte diesen Vertrag hier gar nicht unterschrieben ohne den Passagierstatus und die Zusage zu einer Einzelkabine. Die spinnen! Alle! Probe verlassen! Diskussion aus. Flug von Singapur nach Berlin? Durchaus eine Option.

Dazu passend das Zitat des Tages im heutigen Tagesprogramm: „So schön sind Reisen niemals gewesen, wie sie in den Augenblicken des Heimkommens sind.“ (Erich Kästner)

P.S.: Während ich hier mit dem Macbook in der Panorama-Bar sitze, weil es hier oben Netz gibt, kam gerade eine Dame zu mir. Erst fragt sie mich, ob sie ein Foto von mir machen darf. Türlich. Und dann überschlägt sie sich förmlich mit Komplimenten. Sooooo schlimm kann es dann wohl gestern nicht gewesen sein, hmm? Rrrrrrrrrrrr...

2 Kommentare:

Boris hat gesagt…

Ich leide mit...na gut, halbernst;) Das mit dem nach Hause fliegen und alle sind Arschlöcher kommt mir irgend-wie bekannt vor...Na gut, von Zeit zur Zeit ist es so, aber es wird ja wieder was schönes buntes geben und dann hast du den ganzen Mist vergessen. Halte durch!!! Das mit den Proben habe ich schon von Denis gehört.Das ist aber doch nicht für den Rest der Reise, oder? Und Nikos kommt auch bald?! Grüße ihn von mir...habe immer noch nicht geschafft ihm was zu schreiben.
P.S. Bin gerührt, dass du meine bescheuerten kommentare doch liest.
Finde die berichte ganz spannend.Also, keine Eile nach Hause, hier ist es wesentlich anstrengender als bei euch.

a.k.a. Applebum hat gesagt…

Keine Ahnung, wie man dich so an Land behandelt, muss ja schlimm sein... Fragt sich halt, ob man das zum Preis die Welt zu sehen (wenn man nicht ausgerechnet lange Probe hat) aushalten will, oder nicht. Ich lasse mich zu keiner Zeit und von niemandem (auf Dauer) respektlos behandeln. Punkt.

Nicos kommt gleich. Gott sei Dank! Ich sitze in Singapur. Bei Starbucks.