Gestern gegen 18:00 Uhr unserer Zeit (wir liegen momentan drei Stunden gegenüber Deutschland voraus) klingelt plötzlich mein Handy. Allein das setzte mich schon in größeres Erstaunen, da Empfang mitten auf dem Ozean doch eher selten ist, und im Grunde jeder der mich kennt weiß, dass es gerade recht kostenintensiv werden kann, wenn man versucht mich auf dem mobilen Telefon zu erreichen. Nun denn, ich schaue auf das Display und erspähe eine mir unbekannte Berliner Nummer. Es könnte ja etwas wichtiges sein, denke ich mir und nehme also ab. „Hallo! Soundso-Film, spreche ich da mit Frau Applebum?“ Ich bin leicht verstört. „Ja, das ist richtig. Was kann ich für sie tun?“ „Frau Applebum, wir haben ihre Nummer von ihrer Agentur in Köln. Es geht darum; wir planen gerade die Besetzung für einen deutschen Kinofilm unter der Regie von XYZ. XYZ hat ihre letzten Aufnahmen für Sony Pictures (um genau zu sein, meine allererste Sprechrolle vor einer Fernsehkamera) gesehen, und sie würde sie gerne für eine der Hauptrollen (?!) in ihrem Film mit dem Titel CVGDWRGJ casten. Wo sind sie gerade?“ Man stelle sich das vor! Das Handy in der rechten Hand und mit der linken den Vorhang meines Kabinenfensters öffnend, welches mir den Blick auf das offene Meer draußen frei gibt. Ich räuspere mich. „ Ähm. Nun ja. Also um zumindest einigermaßen genau zu sein, irgendwo zwischen Aden und Jemen, mitten auf hoher See.“ Die gute Frau kommt sich - zu recht - veralbert vor. „Nein, wirklich.“, erkläre ich mich, „Ich befinde mich gerade für das MDR Deutsche Fernsehballett auf einem Kreuzfahrtschiff, und unter Umständen könnte dieses Gespräch wahnsinnig teuer für sie werden, wissen Sie?“ Sie muss lachen. Ich auch. Dann fängt sie sich wieder: „Können Sie am 20. in Berlin sein?“ Ich lache wieder. Dann fasse ich mich aber schnell: „Nein, tut mir leid. Ich habe mich bis Mai ’09 für den MDR für dieses Schiff verpflichtet.“ Jetzt schlucke ich. „Oh, das ist natürlich sehr schade!“ „ALLERDINGS!“, pflichte ich betroffen bei. „Dann werde ich das mal Frau XYZ ausrichten.“ Puh. Ich bin gerade noch bereit mir ein okay herauszuquälen und ihr ausrichten zu lassen, dass mich sehr für ihr Interesse bedanke. Sie wünscht mir noch eine schöne Reise, dann verabschieden wir uns. Stille. Ich schnappe mir meinen Kabinenschlüssel und begebe mich erstmal auf Deck, doch auch der impressionistische Himmel dort draußen kann mich nicht trösten, also begebe ich mich zu meinem Lieblingsbarkeeper in die Piano Bar und bestelle den stärksten Drink den Manuel im Repertoire hat. „Mai Tai?“ fragt er. „Mai Tai!“, sage ich...

(Ein Trost? Wohl kaum.)
Heute früh sind wir in Salalah im Oman angekommen. Davon habe ich allerdings nicht viel mitbekommen. Nachdem wir gestern noch eine Show getanzt haben, bin ich mit Peter (Ex-Baustoffriese und inzwischen hochzufriedener Rentner plus witziger Zeitgenosse und großer Fernsehballettfan) und Hardy (DJ und Hamburger Urgestein) in der Panorama-Bar versackt. Dem zu Folge habe ich dann auch prompt das Frühstück sowie das Mittagsessen verschlafen, geduscht, Sonnencreme auf meine nach wie vor bleiche Haut geschmiert und mich aufs Sonnendeck begeben.

(Der Hafen von Salalah.)
Salalah ist wohl bekannt für seinen Weihrauch; und da mir als Kind grundsätzlich speiübel wurde als ich meine Ur-Oma in die Kirche begleitete, und ich zusätzlich dank des Bord-Info-Kanals erfahren habe, wie verschleiert, nämlich komplett – bis auf die Augen, sich die Frauen hier geben, habe ich auch heute wieder beschlossen niemanden unnötig in Unruhe zu versetzen und mir den Landgang zu schenken.

(Gähnende Leere am Pool.)

(Es ist wirklich arg sonnig auf dem Sonnendeck.)
Inzwischen habe ich nun meine erste Mahlzeit des Tages nämlich Kaffee und Kuchen im Atlantic Restaurant zu mir genommen, und werde mich nun wohl mal meiner Ausgabe der Udo Lindenberg – Biografie widmen, die ich schon seit Ewigkeiten lesen wollte. Später nach dem Abendessen dann, liest Claus Seibel (bekannt aus den heute – Nachrichten, Moderator dieser Reise, mein Kabinennachbar und zudem äußerst tolerant, den entweder sind die Kabinenwände dicker als ich denke oder er mag Snoop Dogg) Kurzgeschichten von Kästner in der Showlounge vor. Tagesziel: Kein Alkohol!
5 Kommentare:
Och neeeeee!!!
Den Film hätte ich mir mindestens fünfmal angesehen. Aber so...
Reinster Urlaub ;) Schön :D
@Frau Klugscheisser: Blöd, oder? Hätte es kein Casting vorher gegeben, hätte ich mich auch einfliegen lassen...
@scared: So ist das woll, ja. Hammer!
oh mann..
schon schade..
vielleicht im nächsten Film!
@Flora: Etwas *augenverdreh*
Kommentar veröffentlichen